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Ted Lasso

Ted Lasso. Oder: Warum die beste Fachkraft nicht automatisch die beste Führungskraft wird.

Als Ted Lasso zum Trainer eines englischen Premier-League-Vereins ernannt wird, fragt sich die dortige Fußball-Community, ob die Vereinsführung tatsächlich den Verstand verloren hat.

Ein Footballtrainer aus den USA, der in einer Welt landet, in der elf Männer einem Ball nachlaufen – und Millionen Menschen so mitfiebern, als hinge das Schicksal der Nation davon ab. Die Presse zerreißt ihn, die Fans machen sich lustig, und auch die Mannschaft scheint sich ziemlich sicher zu sein, dass dieser freundliche Mann mit Schnauzbart nicht lange bleiben wird.


Was mit einer Mannschaft passiert, wenn jemand aufrichtig an sie glaubt…

Mit jeder Folge verschiebt sich allerdings der Blick. Irgendwann merkt man, dass Ted Lassos Fußballwissen gar nicht die spannende Frage ist. Viel spannender ist, was mit einer Mannschaft passiert, wenn sie jemand führt, der aufrichtig an sie glaubt.

Ted Lasso hört zu. Er stellt Fragen, statt alles zu wissen. Er holt Experten ins Trainerteam und versucht nie, selbst der größte Fußballexperte im Raum zu sein. Seine Aufgabe besteht nicht darin, den Ball besser zu schießen als seine Mannschaft, sondern die Mannschaft besser spielen zu lassen.

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Zur Führungskraft befördert wird oftmals die beste Fachkraft.

Natürlich ist Ted Lasso eine Fernsehfigur. Aber gute Geschichten leben davon, dass sie einen wahren Kern haben. An dieser Stelle musste ich mehr als einmal an Unternehmen denken.

Dort läuft es meist genau andersherum. Führungskraft wird selten, wer besonders gut führen kann, sondern wer über Jahre fachlich überzeugt hat: die Konstrukteurin, die jede Maschine kennt, der Verkäufer mit den besten Zahlen oder der IT-Spezialist, ohne den das Unternehmen vermutlich stillstehen würde.

Das ist nachvollziehbar – schließlich ist es eine Anerkennung für hervorragende Arbeit.


Das Paradox der Führungsrolle

Vielleicht liegt darin das größte Paradox einer Führungsrolle: Man wird für etwas befördert, das man von diesem Moment an immer seltener tun sollte.

Deshalb machen viele neue Führungskräfte einfach weiter wie bisher. Sie beantworten jede Fachfrage selbst, übernehmen schwierige Kundengespräche, springen ein, wenn Not am Mann ist, und bleiben länger, damit ihr Team früher nach Hause gehen kann. Das geschieht selten aus Kontrollbedürfnis, sondern fast immer aus Verantwortung. Genau deshalb ist die Falle so tückisch.

Denn während die fachliche Arbeit immer mehr Zeit beansprucht, bleiben jene Aufgaben liegen, die nur eine Führungskraft übernehmen kann: Orientierung geben, Konflikte klären, Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen und den Blick auf das Ganze richten.

„Vielleicht beginnt genau dort das Missverständnis. Viele Organisationen behandeln Führung wie die nächste Stufe einer Fachkarriere. Dabei ist sie in Wahrheit ein Berufswechsel.“
Christina Krug

Vielleicht gehört deshalb das Delegieren zu den missverstandensten Werkzeugen guter Führung. Nicht, weil Führungskräfte Arbeit loswerden wollen. Sondern weil sie ihre eigentliche Aufgabe nur dann erfüllen können, wenn sie nicht mehr alles selbst erledigen.

Ted Lasso geht genau diesen Weg. Er holt Menschen ins Team, die fachlich mehr wissen als er, weil er weiß, dass seine Aufgabe inzwischen eine andere ist. Und vielleicht beginnt genau dort das Missverständnis. Viele Organisationen behandeln Führung wie die nächste Stufe einer Fachkarriere. Dabei ist sie in Wahrheit ein Berufswechsel.

Die gute Nachricht ist: Führung ist kein Charakterzug und keine angeborene Begabung. Führung ist ein Handwerk. Und Handwerk kann man lernen.